Beschwerde beim Presserat erfolgreich

By | 11. Juli 2018

Gelegentlich soll es ja vorkommen, dass auch sich selbst als Qualitätsmedium empfindenden Zeitungen grobe Fehler in ihrer Berichterstattung unterlaufen – natürlich niemals aufgrund politischen Wollens. So auch die “ZEIT” und deren Online-Ausgabe.

Für den 14.04.2018 hatten Bürger zu einer Demonstration in Köln aufgerufen, an der auch REPGOW-Anwalt Dr. Christian Stahl teilnahm:

Etwa 100 bis 150 Bürger demonstrierten dort gegen das NetzDG, gegen die Zensur und für die Meinungsfreiheit – ein Anliegen, das man noch vor einiger Zeit als klassisch liberal bezeichnet hätte. Für die Medien waren die Teilnehmer aber alle “rechts” – und für einen Textverfasser der Online-Ausgabe der Zeit sogar gleich “Neonazis”. Und weil in Dortmund gleichzeitig tatsächlich eine Demonstration von Neonazis stattfand, nahm der Schreiber das gleich mal zum Anlass, “Proteste gegen Neonazi-Märsche in Köln und Dortmund” zu titeln.

Mittlerweile ist die ZEIT zurückgerudert:

“Korrekturhinweis: In einer ersten Fassung dieser Meldung wurde unter der Überschrift “Proteste gegen Neonazi-Märsche in Köln und Dortmund” über eine zweite Demonstration berichtet, die die Polizei dem rechten Spektrum zuordnete. Allerdings gab und gibt es keine Hinweise auf einen extremistischen oder neonazistischen Hintergrund dieser zweiten Demonstration. Wir haben Überschrift sowie Teaser geändert und den Hinweis auf die zweite Demonstration gelöscht. Wir bitten um Entschuldigung für den Fehler.”

Das ändert aber wenig daran, dass in der Zeit nach der Demo die falsche Version lange Zeit im Netz stand.

Die Beschwerde der Veranstalter beim Presserat hatte Erfolg

Diese bösartige Vermengung zweier Demonstrationen, deren Anliegen kaum gegensätzlicher hätte sein können, fand denn auch keine Gnade beim Presserat (Beschluss vom 12.06.2018, Az. 0294/18) – trotz der wachsweichen Entschuldigung.

“Der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses erkennt in der Veröffentlichung eine Verletzung der in Ziff. 2 Pressekodex definierten journalistischen Sorgfaltspflicht. Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme einräumte, enthielt der Artikel im Hinblick auf die Kölner Demonstration gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz falsche Darstellungen. […]

Aufgrund des Verstoßes gegen die Ziff. 2 des Pressekodex erteilt der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses der Redaktion gemäß § 7 Abs. 2 Beschwerdeordnung einen Hinweis. Er hat trotz der Korrektur und der Entschuldigung diese Maßnahme gewählt, da der ursprüngliche Verstoß gegen den Pressekodex nicht unerheblich war.

(Ziff. 2 Pressekodex lautet: Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden.)

Auch dieses Beispiel zeigt, dass man sich keineswegs alles gefallen lassen muss. Wir bei REPGOW freuen uns jedenfalls darüber, dass zumindest die verstörende Falschberichterstattung über die Demonstration damit gerügt ist. Ob es die ZEIT zukünftig allerdings auch über sich bringen wird, über die Inhalte von Demonstrationen zu berichten, die nicht aus der Gesinnungsfestung ihrer Leser stammen?

2 thoughts on “Beschwerde beim Presserat erfolgreich

  1. Mario Krude

    Gelegentlich soll es ja vorkommen, dass auch sich selbst als Qualitätsmedium empfindende Zeitungen grobe Fehler in ihrer Berichterstattung – natürlich niemals aufgrund politischen Wollens.

    Da fehlt irgendwo das Wort “machen” oder “unterlaufen” denke ich.

    Gelegentlich soll es ja vorkommen, dass […] Zeitungen grobe Fehler in ihrer Berichterstattung – […] machen.

    HTH von jemandem der selber ganz gerne mal lange Satzkonstrukte produziert. 😉

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